Kommentiertes Lehrangebot Sommersemester 2020

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Übersicht

Mündliches, literarisches und filmisches Erzählen am Beispiel von Märchensujets

Mündliches, literarisches und filmisches Erzählen am Beispiel von Märchensujets

Christoph Schmitt:

78472 Mündliches, literarisches und filmisches Erzählen am Beispiel von Märchensujets

Ak, 2 SWS, wo

MI 19.15-20.45, Jakobi-Passage, SR 9

Kommentar:
Dieser Aufbaukurs erklärt den Prozess medienübergreifender Bearbeitung ausgewählter Erzählungen, daraus resultierende Gemeinsamkeiten und Differenzen. Um Theorieansätze medialer Adaptionen zu veranschaulichen, sind Märchen dankbare Vorlagen. In Gestalt „Einfacher Formen“ (André Jolles) ist ihnen Mündlichkeit in besonderer Weise eingeschrieben, während sie ebenso beliebte Sujets für literarische und filmische Bearbeitungen bilden. Was geschieht, wenn ein bestimmtes Märchen die Medien „durchwandert“, bildlich illustriert und literarisiert wird, wenn (wort)sprachliches durch ikonisches Zeichensystem ersetzt oder ergänzt, andererseits schriftlich Fixiertes reoralisiert wird? Wie beeinflussen mediale „Varianten“ des Märchens seine Weitergabe?
Im ersten Teil des Seminars wird der Diskurs über das Verhältnis von Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Bildlichkeit, über Literatur- und Genreverfilmung sowie zur Intermedialitätsforschung nachgezeichnet, um daraus Bausteine für eine Theorie medialer Märchenadaptionen zu entwickeln. Im zweiten Teil wird dann der „Gang“ ausgewählter Märchen durch die Medien vorgestellt.

Literatur (Auswahl):

  • Dettmar, Ute; Pecher, Claudia Maria; Schlesinger, Ron (Hg.): Märchen im Medienwechsel. Stuttgart 2017.
  • Franz, Kurt: Faszinierende Märchenwelt. Das Märchen in Illustration, Theater und Film. Baltmannsweiler 2011.
  • Greenhill, Pauline; Matrix, Sidney E. (eds.): Fairy tale films: Visions of Ambiguity. Logan/Utah 2010.
  • Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf: Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanistisches Jahrbuch 36 (1985), S. 15-43.
  • Liptay, Fabienne: Wunderwelten im Film. Remscheid 2004.
  • Mundt, Michaela: Transformationsanalyse. Methodologische Probleme der Literaturverfilmung. Tübingen 1994.
  • Münz, Franziska: Die DEFA-Märchenfilme. 2. Aufl. Frankfurt a. M. 2012.
  • Schmitt, Christoph: Adaptionen „klassischer Märchen“ im Kinder- und Familienfernsehen. Frankfurt a. M. 1993.

Obligatorische Vorleistung:
Grundkurs „Einführung in die germanistische Literaturwissenschaft“

Modulprüfung wählbar in:
„Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“, „Grundlagen der Literaturgeschichte“, „Weiterführung Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“

Semiotik und Motivik von Brauch und Ritual

Semiotik und Motivik von Brauch und Ritual

Schmitt, Christoph:

78471 Semiotik und Motivik von Brauch und Ritual

Ak, 2 SWS, wo

MI 17.15-18.45 Uhr, Jakobipassage, SR 9

Kommentar:
Als aufgeführte Texte bedienen sich Bräuche wie das Theater verschiedener Ausdruckssysteme, die erst in ihrem Zusammenspiel ihre volle Botschaft entfalten. Die Codes dieser miteinander agierenden Zeichensysteme sinnhaft zu entschlüsseln, ist Aufgabe der Kultursemiotik. Bräuche sind ein Mittel ritualisierter zwischenmenschlicher Kommunikation mit demonstrativer Funktion. Der Sinn ihres Vollzuges liegt darin, das Außergewöhnliche im Alltäglichen zu kultivieren, soziale Dynamiken zu bewerten und Übergänge vielfältiger Natur symbolisch zu begleiten. Während die ältere Volkskunde mit der Sammlung brauchgebundener Überlieferung beschäftigt war und diese in ihren landschaftlichen Inventaren nach Motiven verzeichnet hat, richtete sich der forschende Zugang zunächst auf die Frage des „Woher“. Heute untersucht die Europäische Ethnologie das Brauchhandeln als semiotisch vielfältigen Kommunikationsprozess und lässt sich von Ansätzen der Medien-, Theater- und Raumwissenschaften anregen. Die Fruchtbarkeit solcher Ansätze soll exemplarisch erprobt werden. Dabei wird sich zeigen, dass diese allein ohne Kenntnis der Motive, ihrer Überlieferung und Semantisierbarkeit nicht tragfähig sind.

Literatur:

  • Belliger, Andréa: Ritualtheorien. Ein einführendes Handbuch. 5. aktual. Aufl. Wiesbaden 2013.
  • Bimmer, Andreas C.: Brauchforschung. In: Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Arbeitsfelder der Europäischen Ethnologie, hg. von Rolf W. Brednich. 3. Aufl. Berlin 2001, S. 445–468.
  • Brejzek, Thea u.a.: Szenografie. In: Günzel, Stephan (Hg.): Raumwissenschaften. Frankfurt a. M. 2009, S. 370–385.
  • Drašček, Daniel; Wolf, Gabriele (Hg.): Bräuche – Medien – Transformationen. Zum Verhältnis von performativen Praktiken und medialen (Re-)Präsentationen. München 2016.
  • Köhle-Hezinger, Christel (Hg.): Alltagskultur sakral – profan. Ausgewählte Aufsätze. Münster u. a. 2011.
  • Kramer, Dieter: Europäische Ethnologie und Kulturwissenschaften (= Grazer Beiträge zur Europäischen Ethnologie, 15). Marburg 2013.
  • Scharfe, Martin (Hg.): Brauchforschung. Darmstadt 1991.
  • Scholze, Jana: Kultursemiotik. Zeichenlesen in Ausstellungen. In: Baur, Joachim (Hg.): Museumsanalyse. Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes. Bielefeld 2010, S. 121–148.
  • Turner, Victor: Vom Ritual zum Theater. Vom Ernst des menschlichen Spiels. Frankfurt a. M. 2009.

Obligatorische Vorleistung:
Grundkurs „Einführung in die germanistische Literaturwissenschaft“

Modulprüfung wählbar in:
„Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“, „Grundlagen der Literaturgeschichte“, „Weiterführung Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“; IDWB-BA, IDWB-LA: „Regionalethnographien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (als IDWB nicht über das Germanistikstudium anrechenbar).

Lokalgeschichte im Internet. Erzählweisen des Ortschronikportals für Mecklenburg und Vorpommern

Lokalgeschichte im Internet. Erzählweisen des Ortschronikportals für Mecklenburg und Vorpommern

Christoph Schmitt:

78441 Lokalgeschichte im Internet. Erzählweisen des Ortschronikportals für Mecklenburg und Vorpommern

HS, 2 SWS, wo

DI 17.15-18.45 Uhr, Jakobi-Passage, SR 8

Kommentar:
Mit der Verbreitung des Internets entwickeln sich neue Kulturtechniken zur Sammlung, Verbreitung und Vermittlung von Informationen. Nachhaltig verändert wird dadurch zurzeit die Arbeitsweise der „Heimatforschung“, dem populären Feld lokal- und regionalbezogener Wissensarbeit. Unterstützt wird diese durch interaktive Anwendungen und soziale Software, durch Foren, Blogs und Wiki-Systeme. Inhalte und Formate können leichter als bisher publiziert werden. Auch sind die Grenzen zwischen amateuristischer und professioneller Wissenschaft durchlässiger geworden. Citizen Science lautet ein neuer Leitbegriff, mit dem die Wissensproduktion der Öffentlichkeit anerkannt wird. Exemplarisches Beobachtungsfeld ist die interaktive Erstellung von Ortschroniken aus Mecklenburg-Vorpommern, ihre Präsentation im Internet sowie ihre Vernetzung mit kulturlandschaftlich relevanten Forschungsdaten-Repositorien.
Im Fokus des Seminars steht weniger die Inhaltseite, sondern vielmehr die Analyse der vielstimmigen Erzählweise von Portalinhalten. Wie wird „Authentizität“ auf der wortsprachlichen und bildlichen Ebene geniert? Wie unterscheiden sich strenge und lockere Formate voneinander? Wie verträgt sich die Leidenschaft lokalbezogenen Sammelns und Darstellens mit Kritikfähigkeit? Akteure des Ortschronikenportals sind mitunter zu Gast, stellen sich diesen wie weiteren Fragen und berichten über ihre Erfahrungen mit dem digitalen Werkzeug.

Literatur:

  • Cantauw, Christiane; Kamp, Michael; Timm, Elisabeth (Hg.): Figurationen des Laien zwischen Forschung, Leidenschaft und politischer Mobilisierung. Münster 2017.
  • Matzerath, Horst: Lokalgeschichte, Stadtgeschichte, Historische Urbanisierungsforschung? In: Geschichte und Gesellschaft 15 (1989), S. 62-88.
  • Meyer, Holger; Schmitt, Christoph; Steinmüller, Wilfried: Das interaktive Ortschronikenportal für Mecklenburg-Vorpommern. In: Sedina-Archiv, H. 4 (2018), S. 381-384.
  • Stutz, Reno: Leitfaden für Ortschronisten in Mecklenburg und Vorpommern. Rostock 2014.
  • Weitze, Marc-Denis; Heckl, Wolfgang M.: Wissenschaftskommunikation. Berlin 2016.
  • Wynn, James: Citizen Science in the digital age. Rhetoric, science, and public engagement. Tuscaloosa 2017.

Modulprüfung wählbar in:
„Spezialisierung Neuere und neueste deutsche Literatur“, „Literatur und Sprache der Gegenwart“, „Profilbildung Literaturwissenschaft“, „Profilbildung Linguistik und Literaturwissenschaft“; IDWB-BA, IDWB-LA: „Regionalethnographien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (als IDWB nicht über das Germanistikstudium anrechenbar). Obligatorische Vorleistung für IDWB: Teilnahme an einer zweiten Veranstaltung, die im Rahmen dieses Moduls angeboten wird.

„Denn unser Handwerk, das ist verloren.“ Folk und traditionelle Musik in der DDR

„Denn unser Handwerk, das ist verloren.“ Folk und traditionelle Musik in der DDR

Ralf Gehler:

78478 „Denn unser Handwerk, das ist verloren.“ Folk und traditionelle Musik in der DDR

HS, 2 SWS

DI 13.15-16.45, Jacobi-Passage, SR 2
Blockveranstaltung, 14-tägig. Termine: 7.4., 21.4., 5.5., 19.5., 2.6., 30.6.2020
Ulmenstr. 69, H. 3, SR 421

Immer wieder in der Geschichte der Musik gibt es Rückgriffe auf die traditionelle Musikpraxis der Vergangenheit. Das Folkrevival in der DDR startete zart bereits in den 1950er Jahren und entwickelte in den 1970ern eine Szene. In völlig neuen Kontexten spielten Lieder, Tanz und vergessene Volksmusikinstrumente eine Rolle in der Gegenwartskultur der DDR. Eng verknüpft mit der Singbewegung und der Liedermacherszene existierte im Folk eine kulturelle Ausdrucksform zwischen Flucht, nicht staatlich gelenkter Gemeinschaft und Widerstand.
Das Seminar wirft einen Blick auf Entwicklung der Szene, auf prägende Protagonisten, Vorbilder im Ausland (Irland, BRD, USA, Ungarn) und die Entwicklungen und Nuancen in 40 Jahren DDR-Existenz. Repertoire, Musikinstrumente und Ensembleformen, Texte, Musiken und Soundvorstellungen werden vorgestellt und analysiert.

Literatur:
wird zu Anfang des Seminars vorgestellt.

Modulprüfung wählbar in:
„Spezialisierung neue und neuere Literaturwissenschaft“, „Profilbildung Literaturwissenschaft“, „Profilbildung Linguistik und Literaturwissenschaft“
IDWB-BA, IDWB-LA: „Regionalethnographien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (als IDWB nicht über das Germanistikstudium anrechenbar). Obligatorische Vorleistung für IDWB: Teilnahme an einer zweiten Veranstaltung, die im Rahmen dieses Moduls angeboten wird.

Innovation der Volkskultur. Zur Musealisierung eines Domanialdorfes am Schweriner See

Innovation der Volkskultur. Zur Musealisierung eines Domanialdorfes am Schweriner See

Volker Janke:

78479 Innovation der Volkskultur. Zur Musealisierung eines Domanialdorfes am Schweriner See

Blockveranstaltung, 14-tägig, donnerstags: 9.4., 23.4., 7.5., 4.6. (Exkursion nach Schwerin-Mueß), 18.6., 2.7.2020
Ulmenstr. 69, H. 3, SR 421

1970, genau vor 50 Jahren, wurde ein Teil des Dorfes Schwerin-Mueß als Bauernhofmuseum eröffnet. Die dort erhaltenen Kulturgutsammlungen gehen im Kern auf die Sammeltätigkeit Richard Wossidlos zurück. Der umfangreiche Sammlungsfundus zur Volkskultur des vorindustriellen Mecklenburg wird ständig erweitert. Die Sammlungen bieten ein breites Forschungsfeld und helfen ganz allgemein beim Verstehen unserer Vergangenheit. Heute präsentiert sich das Freilichtmuseum für Volkskunde im historischen Kern des erhalten gebliebenen Bauern- und Fischerdorfes der einstigen herzoglichen Domäne. Die direkte Lage am Schweriner See erhöht zusätzlich den Reiz des Museums. Authentische Orte wie Mueß, deren natürlich gewachsene Verbindung von Kulturgeschichte und Natur ein so selbstverständliches Erholungs- und Erlebnispotential bieten, sind sehr selten gewordenen. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und besonderen Schutz. Dabei bietet die Gratwanderung zwischen Identität stiftenden und touristischen Interessen auf der einen Seite und dem quellennahen Erleben von Geschichte auf der anderen Seite besondere Herausforderungen, denen das Seminar mit der Unterstützung von Experten des Freilichtmuseums nachspüren möchte.

Literatur
wird zu Anfang des Seminars vorgestellt.

Modulprüfung wählbar in:
IDWB-BA, IDWB-LA: Regionalethnographien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie.

Obligatorische Vorleistung: Teilnahme an einer zweiten Veranstaltung, die im Rahmen dieses Moduls angeboten wird.