Kommentiertes Lehrangebot Sommersemester 2021

Die Lehrveranstaltungen des IVK sind ebenso über lsf (Online-Portal für Lehre, Studium und Forschung der Universität Rostock) abrufbar.

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Übersicht

Folkloristische und literaturwissenschaftliche Gattungstheorien. Standpunkte und Probleme

Folkloristische und literaturwissenschaftliche Gattungstheorien. Standpunkte und Probleme

Christoph Schmitt:

Folkloristische und literaturwissenschaftliche Gattungstheorien. Standpunkte und Probleme

Ak, 2 SWS, wo

DI 17.15-18.45

Kommentar:
Während literarische Gattungen aufgrund konformer Merkmalskombinationen (Stoff, Form, Stil, Struktur etc.) greifbar scheinen, sind sie theoretisch nur schwer zu fassen. Denn ihre Gebrauchsfunktion ist an historische Kontexte gebunden. Auch wurden Gattungstheorien ausschnitthaft über die Poetologie der „schönen Literatur“ entwickelt, anstatt andere Textzeugnisse zu berücksichtigen. Gattungsnamen taugen daher allenfalls als Verständigungsmarker, sind aber für einen systematischen Gattungsbegriff untauglich. Gleichwohl führen Gattungstheorien ins Grundsätzliche, da sie zu strukturellen Grundformen des Literaturgebrauchs führen und dessen kulturanthropologische, ethnologische und soziale Funktionsmuster entdecken helfen. Folkloristische, an der internationalen Erzählüberlieferung geschulte Gattungstheorien sind hierfür von besonderem Nutzen. Diese sind aus der Beschäftigung mit sog. „Einfachen Formen“ (Märchen, Sage, Mythos etc.) erwachsen. „Einfache Formen“  referenzieren auf (verschriftlichte) Mündlichkeit. Gattungen bestimmen die Grenzen der Kommunikation, deren Aushandlung in verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten variiert. Welche Themen tendieren zu welchen Gattungen? Was geschieht, wenn Stoffe und Themen Gattungen wechseln? Ist es berechtigt, bestimmte Medienformate als Fortschreibung inzwischen verebbter Gattungen anzusehen?

Literatur (Auswahl):

  • Bausinger, Hermann: Formen der Volkspoesie. Berlin 1968.
  • Jolles, André: Einfache Formen. Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz. 8. Aufl. Tübingen 2006.
  • Holbek, Bengt: Interpretation of Fairy Tales. Helsinki 1987.
  • Honko, Lauri: Gattungsprobleme. In: Enzyklopädie des Märchens, hrsg. von Rolf Wilhelm Brednich u.a. Berlin/New York 1987, Sp. 744-769.
  • Lüthi, Max: Märchen, bearb. von Heinz Rölleke. 10. Aufl. Stuttgart 2004.
  • Röhrich, Lutz: Erzählforschung heute. Sage und Märchen. Freiburg im Breisgau 1976.
  • Scherpe, Klaus R.: Gattungspoetik im 18. Jahrhundert. Historische Entwicklung von Gottsched bis Herder. Stuttgart 1968.
  • Zymner, Rüdiger (Hg.): Handbuch Gattungstheorie. Theorie und Geschichte literarischer Gattungen. Stuttgart 2010.

Obligatorische Vorleistung:
Grundkurs Literaturwissenschaft

Modulprüfung wählbar in:

  • „Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“
  • „Grundlagen der Literaturgeschichte“
  • „Weiterführung Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“ (Hausarbeit)
  • IDWB-BA „Regionalethnografien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (Bericht)
  • IDWB-LA „Regionalethnografien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (Bericht)

 

 

Modelle und Methoden der Film- und Fernsehanalyse

Modelle und Methoden der Film- und Fernsehanalyse

Schmitt, Christoph:

Modelle und Methoden der Film- und Fernsehanalyse

Ak, 2 SWS, wo

MI 19.15-10.45 Uhr

Kommentar:

Ziel dieses Aufbaukurses ist es, Strukturen und Ästhetiken filmischer Erzählweisen sichtbar zu machen. Ausgehend von filmtheoretischen Schriften aus der Frühphase des Mediums wollen wir uns das Beschreibungsinventar des Films systematisch erarbeiten. Vorgestellt werden dabei brauchbare Einführungswerke in die Film- und Fernsehanalyse, deren Ansätze sich je nach der disziplinären Herkunft ihrer Autorinnen und Autoren unterscheiden. Anhand ausgewählter Beispiele sollen das Erzählvermögen von Laufbildern, ihr Verhältnis zur Wortsprache und den weiteren Zeichensystemen des Films veranschaulicht werden. Welche Schichtungen und Parameter braucht es, um die filmische Semiosebildung analysieren zu können? Welchen Beitrag zur Methodologie der Filmanalyse liefern Literatur-, Kunst- und Kommunikationstheorie? Was bringt die Einbeziehung der transmedialen Erzähltheorie? Verdeutlicht werden sollen zudem die Differenzen zwischen kinematografischen und genuin televisionären Erzählkonventionen, wie der Fernsehserie.  

Literatur:

  • Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. 3. Aufl. Paderborn 2013.
  • Faulstich, Werner: Die Filminterpretation. 2. Aufl. Göttingen 1995.
  • Hagener, Malte: Handbuch Filmanalyse. Wiesbaden 2020.
  • Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. 5. Aufl. Stuttgart 2012.
  • Kanzog, Klaus: Grundkurs Filmsemiotik. München 2007.
  • Kuchenbuch, Thomas: Filmanalyse. Theorien, Methoden, Kritik. 2. Aufl. Wien/Köln/Weimar 2005.
  • Mikos, Lothar: Film- und Fernsehanalyse. 3. Aufl. Konstanz 2015.
  • Monaco, James: Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Neuen Medien. Mit einer Einführung in Multimedia. 5. Aufl. Reinbek bei Hamburg.

Obligatorische Vorleistung:
Grundkurs Literaturwissenschaft

Modulprüfung wählbar in:

  • „Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“
  • „Grundlagen der Literaturgeschichte“
  • „Weiterführung Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur“ (Hausarbeit)
Immaterielles Kulturerbe. Begriffsdiskurs, Auswahlverfahren, Kritik

Immaterielles Kulturerbe. Begriffsdiskurs, Auswahlverfahren, Kritik

Christoph Schmitt:

Immaterielles Kulturerbe. Begriffsdiskurs, Auswahlverfahren, Kritik

HS, 2 SWS, wo

MI 17.15-18.45 Uhr

Kommentar:

Im Jahre 2003 proklamierte die UNESCO das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes (Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage), dem Deutschland 2013 beigetreten ist. Die Konvention zielt weniger auf die Erhaltung von Sprache, als vielmehr auf kulturelle Praktiken, die Gemeinschaften oder Gruppen als Bestandteil ihres kulturellen Erbes betrachten. Gemeint sind damit performative  Ausdrucksformen, wie Bräuche, Tänze, Erzählvorträge etc., andererseits traditionale, jedoch lebendige Wissensformen und überlieferte Fertigkeiten („alte“ Handwerkstechniken) samt der hierzu benötigten Artefakte. Dabei handelt es sich um typische Gegenstandsfelder und kulturelle Prozesse, die von der Volkskunde/Europäischen Ethnologie erforscht werden, weshalb ihre Vertreter_innen maßgeblich in Begutachtung und Auswahlverfahren einbezogen sind. Ziel des Hauptseminars ist es zunächst, den Begriffsumfang des Immateriellen Kulturerbes (IKE) vor der Folie klassisch-volkskundlicher Definitionen und deren Kritik zu rekonstruieren. Der Begriffsdiskurs wird u.a. mit früheren Argumentationslinien (Historismus, Folklorismus bzw. Revitalisierung, Regionalismus, Musealisierung) veranschaulicht. Fallbeispiele aus Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern sollen den Prozess der Kulturerbebildung, auch früherer Zeiten, kritisch beleuchten. Als Spezialproblem wird über die Digitalisierung des IKE verhandelt.

Literaturauswahl:

  • Brednich, Rolf-Wilhelm: Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der europäischen Ethnologie. 2. Aufl. Berlin 2001.
  • Guntermann, Maria: Tradition und Brauchtum. Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Nach der Konvention der UNESCO. München 2020.
  • Hückstädt, Antje: Immaterielles Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern. Wissen, Können, Weitergeben. Prerow am Darß 2019.
  • Lübbe, Hermann: Zeitverhältnisse. Zur Kulturphilosophie des Fortschritts. Graz/Wien/Köln 1983.
  • Schneider, Ingo; Flor, Valeska (Hg.): Erzählungen als kulturelles Erbe. Das kulturelle Erbe als Erzählung. Münster/New York 2014.
  • Schüppel, Katharina: Kultur erben. Objekte – Wege – Akteure. Berlin 2020.
  • Tauschek, Markus: Kulturerbe. Eine Einführung. Berlin 2013.

Modulprüfung wählbar in:

  • „Fachwissenschaftliche Aspekte der Schulrahmenpläne“ (mdl. Prüfung, 30 Min., oder digitale Prüfungsleistung)
  • „Literatur und Sprache der Gegenwart“
  • „Spezialisierung Neuere und neueste deutsche Literatur“ (Hausarbeit [für BA sowie LA (2019) andere Prüfungsform möglich])
  • „Profilbildung Literaturwissenschaft“
  • „Profilbildung Linguistik und Literaturwissenschaft“
  • „Profilbildung Literaturwissenschaft oder Linguistik“ (Studienleistung/Kompetenzprüfung)
  • IDWB-BA „Regionalethnografien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (Bericht)
  • IDWB-LA „Regionalethnografien Norddeutschlands in der Europäischen Ethnologie“ (Bericht)