Kommentiertes Lehrangebot WS 2018/19

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Übersicht

Heimat. Entwicklung und Erfahrung eines widerspruchsvollen Konzepts

Heimat. Entwicklung und Erfahrung eines widerspruchsvollen Konzepts

Christoph Schmitt:

70646 Heimat. Entwicklung und Erfahrung eines widerspruchsvollen Konzepts

Mi 17.15 - 18.45, Jakobipassage, Kröpeliner Str. 57, SR 9

2 SWS; Hauptseminar

‚Heimat‘, und damit ebenso ‚die Fremde‘, sind unscharfe, polyvalente und damit konfliktreiche Begriffe. Ziel des Seminars ist es, die Vielfalt und Widersprüchlichkeit von Heimat- und Fremdheitskonzepten aus Sicht der Europäischen Ethnologie/Volkskunde sichtbar zu machen. Hervorgegangen aus Sammlungen regionaler Traditionen, standen für das kulturwissenschaftliche Fach zunächst die narrativen, rituellen und dinglichen Überlieferungen im Fokus. Diese dachte man sich an einen Raum festgezurrt, der somit Heimat spendete. Der Einfluss der Subjekte geriet erst später in den Fokus, die nicht mehr nur als Traditionsträger (tradition bearers), sondern als Traditionsteilnehmer (tradition participants) betrachtet werden, womit aus dem possessualen ein prozessualer Kultur-, und somit auch Heimat- und Fremdheitsbegriff wurde.

In dem Seminar werden beispielhaft Gedichte, Aphorismen, Autobiografien, Auszüge aus Heimat- und Auswanderungsromanen, dem ortschronikalischen und heimatkundlichen Schrifttum, Meinungen aus Zeitung und Internet, Bekenntnisse der Heimatpflege u.a.m. zusammengetragen, um die dahinter stehenden Konzepte zu entlarven.

Literatur:

  • Bausinger, Hermann; Köstlin, Konrad (Hgg.): Heimat und Identität. Probleme regionaler Kultur. Neumünster 1980.
  • Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Heimat. Analysen, Themen, Perspektiven. Bonn 1990.
  • Costadura, Edoardo; Ries, Klaus (Hrsg.): Heimat gestern und heute. Interdisziplinäre Perspektiven. Bielefeld 2016.
  • Christiansen, Jörn: „Die Heimat“. Analyse einer regionalen Zeitschrift und ihres Umfeldes. Neumünster 1980.
  • Klueting, Edeltraud (Hg.): Antimodernismus und Reform. Beiträge zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung. Darmstadt 1991.
  • Mecklenburg, Norbert: Erzählte Provinz. Regionalismus und Moderne im Roman. 2. Aufl. Königstein/Ts. 1986.
  • Seifert, Manfred: Zwischen Emotion und Kalkül. „Heimat“ als Argument im Prozess der Moderne. Leipzig 2010.
  • Vierneisel, Beatrice (Hg.): Fremde im Land. Aspekte zur kulturellen Integration von Umsiedlern in Mecklenburg und Vorpommern 1945 bis 1953. Münster/New York/München/Berlin 2006 (Rostocker Beiträge zur Volkskunde und Kulturgeschichte; 4).

Module:

  • Literatur und Sprache der Gegenwart – Theorien und Methoden
  • Fachwissenschaftliche Aspekte der Schulrahmenpläne
  • Spezialisierung Neuere und Neueste deutsche Literatur
  • Profilbildung Linguistik und Literaturwissenschaft
Einführung in die Erzählforschung und Erzähltheorie im Schnittfeld von kultur- und literaturwissenschaftlichen Ansätzen

Einführung in die Erzählforschung und Erzähltheorie im Schnittfeld von kultur- und literaturwissenschaftlichen Ansätzen

Christoph Schmitt:

70619 Einführung in die Erzählforschung und Erzähltheorie im Schnittfeld von kultur- und literaturwissenschaftlichen Ansätzen

Mi 19.00 - 20.30, Jakobipassage, Kröpeliner Str. 57, SR 9

Ak, 2 SWS, wo

Dieser Aufbaukurs sucht den Beitrag der volkskundlichen Erzählforschung und internationalen Folkloristik zur Entwicklung der Erzähltheorie zu beleuchten, sodass einige ihrer Bausteine besser verstanden werden können. Aufgrund ihrer komparativen Betrachtung weit verstreuter Erzähltraditionen überschritt die in Deutschland von den Brüdern Grimm initiierte Volkserzählforschung spätestens Ende des 19. Jahrhunderts nationale Grenzen und löste sich aus der Umarmung ihrer philologischen Mutterdisziplinen. Im Zentrum der Veranstaltung stehen folkloristische Gattungstheorien, Begriffsklärungen zu Grundlagen und Techniken mündlichen und literarischen Erzählens sowie der Überlieferungsprozess von Sujets, dessen Prägefaktoren im Spannungsfeld von kulturellem Gedächtnis und Individuum in Beziehung zueinander gesetzt werden. Als Beispiele dienen ausgewählte Sagen- und Märchen-, Schwank- und Witz-, Fabel- und Sprichworttypen und ihre Konkretisierungen zu verschiedenen Zeiten und an differenten Orten bis zur Gegenwart.

Literatur:

  • Bendix, Regina; Hasan-Rokem, Galit (ed.): A Companion to Folklore. Malden/Mass. 2012.
  • Dundes, Alan (ed.): Folklore. Critical Concepts in Literary and Cultural Studies. Vol. 1: From Definition to Discipline; Vol. 2: The Founders of Folklore; Vol. 3: The Genres of Folklore; Vol. 4: Folkloristics: Theories and Methods. London 2005.
  • Genette, Gérard: Die Erzählung. 3. Aufl. Paderborn 2010.
  • Martinez, Matias; Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. 10. Aufl. München 2016.
  • Pöge-Alder, Kathrin: Märchenforschung. Theorien, Methoden, Interpretationen. 3. Aufl. Tübingen 2016.

Module:

  • Grundlagen der Literaturgeschichte
  • Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur
  • Weiterführung Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur
  • Interdisziplinärer Wahlbereich: IDWB-BA und IDWB-LA, Modul: „Historische Volkskultur und populäre Kulturen in der Moderne“ (nur abrechenbar für nichtgermanistische Studiengänge)
Verzetteln und Verlinken. Vom Umgang mit dem Exzerpt in Poesie und Wissenschaft

Verzetteln und Verlinken. Vom Umgang mit dem Exzerpt in Poesie und Wissenschaft

Lutz Hagestedt und Christoph Schmitt:

70633 Verzetteln und Verlinken. Vom Umgang mit dem Exzerpt in Poesie und Wissenschaft

Mo 13.15 - 14.45, Jakobipassage, Kröpeliner Str. 57, SR 8

Hs, 2 SWS, wo

Zettel sind leichte Alltags- und Reisebegleiter, auf ihnen können gezielte Merkhilfen oder Beobachtungen festgehalten werden. Das kleine Beschreibformat fordert dazu heraus, Informationen exzerpthaft zu verdichten. Während sich etwa Einkaufszettel schnell erledigt haben, werden Notabilia dauerhaft in eigens dafür kreierten Ordnungssystemen bewahrt. Zettelkästen repräsentieren im Gegensatz zu Büchern, deren Seiten festgezurrt sind, dynamische, netzwerkartige Wissenssysteme. Notizen berühren sich darin auf vielfältige Weise und bilden ein neues System von Synapsen. Man erhält die Möglichkeit, einen Knoten des Netzes anzufassen und diesen weiterzuverfolgen. Für Niklas Luhmann ist seine Art der Zettelwirtschaft dokumentierte Selbstbeobachtung. Walter Kempowski organisierte das von ihm gesammelte biografische Material mit Zettelkästen, daneben nutzte er auf Zettel notierte Gedanken nach dem Zufallsprinzip. Richard Wossidlos Zettelkästen stehen für ein eigenwilliges „Container im Container“-Ablageprinzip. Ziel ist es, die Logik solcher und anderer Zettelkästen zu durchleuchten und Konsequenzen für das literarische bzw. ethnografische Schaffen sichtbar zu machen.

Literatur:

  • Gfrereis, Heike; Strittmatter, Ellen (Hrsg.): Zettelkästen. Maschinen der Phantasie. Marbach am Neckar 2013
  • Luhmann, Niklas: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht. In: Kieserling, André (Hrsg.): Niklas Luhmann: Universität als Milieu. Kleine Schriften, Bielefeld 1992, S. 53-61.
  • Schmitt, Christoph: Zettelwerkstatt. Feldforschungsbasierte Wissenszirkulation um 1900 und die Praxis papierner Gelehrtenmaschinen am Fallbeispiel des „Volksforschers“ Richard Wossidlo. In: Volkskunde in Sachsen 27/2015, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. Dresden 2015, S. 7-47.
  • Sommer, Manfred: Sammeln. Ein philosophischer Versuch. Frankfurt a. M. 1999.
  • Te Heesen, Anke: Der Zeitungsausschnitt. Ein Papierobjekt der Moderne. Frankfurt a. M. 2006, S. 77-83.

Module:

  • Spezialisierung Neuere und Neueste deutsche Literatur
  • Profilbildung Literaturwissenschaft
  • Profilbildung Linguistik und Literaturwissenschaft
  • Aktuelle Forschungsfelder der Literaturwissenschaft
  • Konzeptionsmodul Master Germanistik (nicht für Zweitfach)
WeltbeTRACHTung. Einführung in die Geschichte von Tracht, Mode und Kostüm

WeltbeTRACHTung. Einführung in die Geschichte von Tracht, Mode und Kostüm

Bettina Heinrichs:

70649 WeltbeTRACHTung. Einführung in die Geschichte von Tracht, Mode und Kostüm

Blockseminar, Termine:

  • mittwochs: 7.11.18, 21.11.18, 28.11.18, 5.12.18, 19.12.18, 23.01.19, je 13.15-14.45 Uhr (außer 19.12.18: 11.00-18.00 Uhr)
  • Ort: NN

2 SWS, Interdisziplinärer Wahlbereich

Im Schnittfeld von Kulturanthropologie/Volkskunde und Designwissenschaft vermittelt das Seminar wesentliche Aspekte und Rahmenbedingungen der Mode- und Kostümgeschichte inkl. der Trachtengeschichte sowie die auf diesen Feldern entwickelten Theorieansätze. Hierzu werden die unterschiedlichen Mode-und Kostümtheorien miteinander verglichen, die verschiedenen Funktionen von Bekleidung und Tracht untersucht und die Bedeutung von Mode und Tracht in den Bereichen Werbung, Tourismus und interkulturelles Spielzeug dargestellt.

Veranschaulicht wird die Abfolge der historischen Epochen seit der Gotik, wobei die wichtigsten Mode- und Kostümbegriffe definiert werden. Im Fokus steht insbesondere die Entwicklung der modernen Mode- und Kostümgeschichte bis ins 21. Jahrhundert, ein detaillierter Einblick wird in die Bedeutung von Haute Couture, Prêt-à-Porter und Konfektion vermittelt. Abschließend werden das Umfeld, in dem Mode und Tracht entsteht, intensiv betrachtet, die Leitregeln von Mode und Tracht vorgestellt und die Entstehung von Modetrends näher beleuchtet. Zudem werden die Bedeutung von Medien zur Verbreitung von Mode und Tracht in der Gesellschaft analysiert und das Phänomen des Trachtenfolklorismus erklärt. Eine Exkursion zu einem Museum mit Kostüm- und Modeabteilung und/oder einem Trachtenmuseum rundet den Kurs ab.

Literaturempfehlungen:

  • Lehnert, Gertrud: Mode. Theorie, Geschichte und Ästhetik einer kulturellen Praxis. 2. Aufl. Bielefeld 2015
  • Loschek,Ingrid; Wolter, Gundula: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 6., aktual. und erw. Auflage. Stuttgart 2011.
  • Mentges, Gabriele: Kulturanthropologie des Textilen. 3. Aufl. Berlin 2014.
  • Weber-Kellermann, Ingeborg: Kleidung, Mode, Tracht. Göttingen 1969/2008 (DVD)
  • Wendt, Ralf: Ralf Wendt: Mecklenburgische Volkstrachten. 3. überarb. Aufl. Rostock 1998.

Module:

  • IDWB-BA-Modul: Historische Volkskultur und populäre Kulturen in der Moderne
  • IDWB-LA-Modul: Historische Volkskultur und populäre Kulturen in der Moderne
Deutsche Versepik im europäischen Kontext 1667 bis 2017

Deutsche Versepik im europäischen Kontext 1667 bis 2017

Lutz Hagestedt und Christoph Schmitt:

70616 Deutsche Versepik im europäischen Kontext 1667 bis 2017

Mo 17.15 - 18.45, Jakobipassage, Kröpeliner Str. 57, SR 9

Ak, 2 SWS, wo

Die einst hoch geschätzte Gattung des Versepos steht nach dem Ende ihrer letzten großen Repräsentanten im deutschsprachigen wie europäischen Raum (nach 1850/1900) etwas im Windschatten der Reflexion. Heinz Schlaffer hat jüngst sogar ein „Absterben des Erzählens in Versen“ konstatiert. (Vgl. „Sinn und Form“, H. 68, 2016, S. 241-250, hier S. 249) Doch ist diese Einschätzung zweifellos überzogen, denn das Versepos wird weiterhin in vielfacher Weise reaktiviert und diskutiert (vgl. Hufnagel/Krämer 2015), und zwar als besonders „forcierte Form“ (Bourdieu), der im Seminar interdisziplinär, komparatistisch und systematisch nachgespürt werden soll.

Folgende Texte der letzten 340 Jahre stehen im Mittelpunkt: Miltons „Paradise Lost“ (1667), Klopstocks „Messias“ (1773); Goethes Versepen „Der ewige Jude“ (1774), „Reineke Fuchs“ (1794) und „Hermann und Dorothea“ (1797); Droste-Hülshoffs Versepen „Des Arztes Vermächtniß“ (1834) und „Der Spiritus Familiaris des Roßtäuschers“ (1844); Heines Versepen „Ata Troll“ (1843) und „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (1844); Nikolaus Lenaus „Die Albigenser“ (1842), Clemens Brentanos „Die Erfindung des Rosenkranzes“ (1846/47), Fritz Reuters „Kein Hüsung“ (1857), Gerhart Hauptmanns „Till Eulenspiegel“ (1928), Döblins „Manas“ (1932), Brechts „Lehrgedicht von der Natur des Menschen“ (1945), Uwe Tellkamps Fragment „Der Nautilus“ (2003) und Christoph Ransmayrs „Der fliegende Berg“ (2006).

Module:

  • Grundlagen der Literaturgeschichte
  • Allgemeine und regionale Aspekte der Literatur
  • Weiterführung allgemeine und regionale Aspekte der Literatur