„Wossidlo-Teuchert“ online

Publikation des Mecklenburgischen Wörterbuchs im Trierer Wörterbuchnetz und korpusbasierte bidirektionale Verknüpfung mit der digitalen Forschungsumgebung „WossiDiA“

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Bieberstedt (Universität Rostock – Institut für Germanistik)  Universität Rostock – Institut für Germanistik, Dr. Christoph Schmitt  (Universität Rostock – Wossidlo-Forschungsstelle für Europäische Ethnologie/Volkskunde),  Dr. Petra Himstedt-Vaid (Universität Rostock – Wossidlo-Forschungsstelle für Europäische Ethnologie/Volkskunde)  Universität Rostock – Wossidlo-Forschungsstelle für Europäische Ethnologie/VolkskundeKarsten Labahn  (Universitätsbibliothek Rostock) Universitätsbibliothek Rostock Dr.-Ing. Holger Meyer (Universität Rostock – Lehrstuhl für Datenbank- und Informationssysteme (DBIS))  Universität Rostock – Lehrstuhl für Datenbank- und Informationssysteme (DBIS) · Dr. Thomas Burch (Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH))  Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH).

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2022 - 2024

Ansprechpartner: Prof. Dr. Andreas Bieberstedt, Dr. Petra Himstedt-Vaid, Dr. Christoph Schmitt

Das Mecklenburgische Wörterbuch (MeckWb) stellt den wichtigsten Zugang zum Wortschatz der mecklenburgischen Mundart dar und zählt zu den großlandschaftlichen wissenschaftlichen Dialektwörterbüchern. Mit Hilfe eines neuen Ansatzes der digitalen Lexikografie soll die Verknüpfung eines Wörterbuches mit seinem volkskundlichen, agrar- und sozialgeschichtlichen Quellenmaterial des Wossildlo-Archivs (WossiDiA) digital umgesetzt werden. Damit wird für den niederdeutschen Sprachraum ein zentrales Dialektwörterbuch digital zugänglich gemacht und durch die spätere Integration ins Wörterbuchnetz eine übergreifende Recherche für Fachwissenschaftler:innen und die breite Öffentlichkeit möglich.

Das MeckWb liefert umfassende Informationen zur Semantik und Verwendung sowie zur Grammatik regionaler Lexeme auf der Basis von ca. einer Million Belegen, die diatopisch und sprachhistorisch eingeordnet und z.T. auch kartografisch veranschaulicht werden. Hierfür greift das Belegwörterbuch auf mündliche und schriftsprachliche Quellen unterschiedlichster Provenienz zurück, die bis in die mittelniederdeutsche Sprachstufe zurückreichen. Entstanden in Kooperation des Volkskundlers Richard Wossidlo und des Dialektologen Hermann Teuchert präsentiert das MeckWb über den niederdeutschen (nd.) Wortschatz hinaus regionalethnografische (volkskundliche, agrar- und sozialgeschichtliche etc.) Quellen, die erklärt und vielfach grafisch illustriert werden. Es vereint hierin beispielhaft die Eigenschaften eines großlandschaftlichen Wörterbuchs mit dem Charakter einer ethnografisch-historiografischen Enzyklopädie. Tiefergehende sowie neue, polydirektionale Suchroutinen, Vernetzungsszenarien und die Anwendung von Data-Mining-Techniken erfordern dessen Volltextdigitalisierung mit anschließender XML-Auszeichnung, die daher ein zentrales Ziel des beantragten Projektes darstellt.

Eine zu neuen Forschungsfragen führende Entwicklung der digitalen Lexikografie stellt die Verknüpfung von Wörterbüchern mit ihrem Quellenmaterial dar. Sie soll dem Nutzer einen konsequenten Durchgriff vom lexikografischen Beleg zu dessen Quelle ermöglichen, d.h. zum literarischen Werk bzw. zum sprachlichen Belegzettel und Fragebogen. Eine besondere Ausgangslage bietet hierfür WossiDiA, das digitale Wossidlo-Archiv. Diese digitale Forschungsumgebung, die weithin die Quellengrundlage des MeckWb verkörpert, ist bislang jedoch eher für ethnografische Nutzerbedürfnisse ausgelegt. Verwirklicht werden soll daher über die Präsentation des MeckWb im Trierer Wörterbuchnetz hinaus dessen Vernetzung mit WossiDiA, das dadurch dem linguistischen Zugang geöffnet wird. Für diese Vernetzungsrichtungen kann die in WossiDiA vorliegende Infrastruktur genutzt werden.

Wichtiger Partner im Projekt ist zudem die Universitätsbibliothek Rostock (UBR), die mit ihrer engagiert umgesetzten Digitalisierungsstrategie (RosDok, Digitale Bibliothek MV) weitere mecklenburgische Idiotika und Wörterbücher, im MeckWb referenzierte Druckwerke, die Fragebögen Teucherts und mundartbezogene Sammelbücher digitalisieren wird.

Geplant ist die Einbindung des MeckWb in die Infrastruktur des Trierer Wörterbuchverbundes und somit seine Vernetzung mit den dort angelegten Wörterbüchern. Auf diese Weise können u.a. nd. (und hd.) Stichwörter des MeckWb auch im Rahmen übergeordneter Suchen über mehrere Wörterbücher hinweg aufgefunden und verglichen werden und lexikologische, dialektologische, sprachhistorische, komparatistische, aber auch ethnologische Fragen verfolgt werden. Zugleich würde mit dem zukünftigen Verbund erstmalig in der deutschsprachigen Dialektlexikografie einer der drei dialektalen Großverbände (Niederdeutsch, Mitteldeutsch, Oberdeutsch) in seiner Gesamtheit lexikalisch dokumentiert.

Siehe auch Pressemitteilung der Universität Rostock vom 16.05.2022:

Pressemitteilung